Biskaya und Nordspanien
Schiff und Auto
Der Plan steht, wir segeln heute über die Biskaya nach Nordspanien. Susanne bringt uns für die Reise ein Stück Bananen-Schoko-Kuchen.
Die Wellen sind hoch, der Strom gegen uns, ein wirres Bild. Ursula ist angespannt, der Magen etwas unruhig. Wir können bei moderatem SW-Wind die Genua setzen und in Richtung SE segeln. Alles gut. Bald müssen wir reffen, Wolken bringen Regen und Böen. Eine junge Möwe umkreist uns und nimmt nach langem Zögern Platz auf dem Vorschiff. Sie balanciert auf ihren dünnen Beinen, wechselt aufs Achterdeck, trippelt nervös herum. Nach einer Weile fliegt sie weg, hoffentlich findet sie den Heimweg. Wir segeln in die Nacht, wechseln uns ab mit Wache, an vernünftiges Essen ist nicht zu denken, es schüttelt und schaukelt. Gut haben wir viele Sandwiches vorbereitet.
Um Mitternacht sind 61nm geschafft, der Mond scheint, ab 3 Uhr muss der Motor unterstützen, am Morgen wärmt R das Chili auf, U hat keinen Appetit, ist jedoch einsatzfähig.
Ab Mittag segeln wir angenehmer, ohne Motor mit Volltuch, Die «Northern Gannet» hat uns eingeholt, über Funk können wir uns kurz austauschen. Um Mitternacht haben wir 190nm geschafft, 4000m Wasser unter uns, eindrücklich, die Bedingungen wesentlich einfacher nun.
Das SAR-Boot, das wir gestern schon gesehen haben, kreuzt achtern, es leuchtet uns an, R antwortet mit einem Ping (Anspielung auf den Film Roter Oktober mit Sean Connery). Um 8 Uhr ist Sonnenaufgang, der Wind nimmt ab, wir motoren die letzten 2 Stunden. Um 12 Uhr funkt U den Hafen in Gijon auf spanisch an, wir legen an, whow, geschafft!!
Die Biskaya hat einige Facetten gezeigt, alles in allem war sie einigermassen nett zu uns. U wünscht sich für das nächste Mal dennoch eine entspanntere Überfahrt, wo gemütlich gegessen, gelesen, den Wellen zugeschaut und in den Tag und in die Nacht hineingeträumt werden kann.
Wir halten Siesta, werden jedoch vom Zoll geweckt. Gegen 21 Uhr machen wir uns mit der «Northern Gannet»-Crew auf ins Gewühl, es ist Altstadtfest, Musik überall, die Restaurants sind voll, Sidra wird getrunken, dem Apfelwein ist das Fest gewidmet.
Einige Tage später hängt die Merci in den Schlaufen in der Werft in Gijon, ziemlich verschlammt. Das Abspritzen mit dem Hochdruckreiniger bringt die blaue Farbe des Antifoulings wieder zum Vorschein.

Das Meer wird rauer im Herbst

Routenplanung über die Biskaja. Nach 30 nm und 6 Stunden

Routenplanung über die Biskaja. Nach 120 nm und 24 Stunden

Routenplanung über die Biskaja. Nach 210 nm und 18 Stunden

junge Möwe ruht sich auf dem Schiff aus

Gijon empfängt uns mit einem Fest

verdichtet Bauen in Gijon

Die Merci wird vom Bewuchs befreit (und segelt dann deutlich schneller)

Auch Bilbao baut verdichtet
Wir fahren mit Bus und Zug nach Port La Forêt zum Auto. Dieses bringt uns nach Les Sables d’Olonne. Hier liegen die Schiffe der 6.5-er Klasse (Länge 6.5m), bald startet die «mini transat», solo über den Atlantik zu den Antillen.
Wir fahren weiter, bald prägen Rebberge das Bild.
Bayonne ist eine Überraschung, eine sehr schöne Stadt. Es hat Arkaden, einen Fluss, alte Fachwerkhäuser. Wir geniessen die Atmosphäre.
Es ist schwülwarm, nach dem Mittagshalt im schönen Biarritz, sind wir gegen Abend in Bilbao, wir besuchen natürlich das Guggenheim Museum, einmalig!!
Zurück in Gijon. gehen wir zur Werft, das Boot wird gewassert, wir machen noch kurz an einem Ponton fest und um 1215 legen wir ab.
Wir wollen in einem Schlag nach A Coruña. Am Nachmittag können wir die Segel setzen und stellen den Autopiloten auf Windsteuerung, entspanntes Segeln.
Gegen 22 Uhr ist es nicht mehr so entspannt, mehr und mehr Wind, die Wellen sind nun auch um einiges höher. Schlafen ist unmöglich, dösen geht.
In der Nacht reffen wir die Genua, trotzdem kommen wir mit bis zu 10 Knoten Fahrt voran, die Windrichtung ist perfekt. Delfine kommen vorbei. Um 1215 haben wir ein Etmal von 154 Meilen! Eine Stunde später legen wir an am Ponton in der Marina Coruña. Es ist Ende September.
Die nächsten paar Tage: schlafen, mit den Stegnachbarn schwatzen, in die Stadt spazieren, das salzige Deck, abspülen, einkaufen, die Reling polieren, Wäsche waschen, Büroarbeiten erledigen, faulenzen, spanisch essen gehen.
Ein Bus bringt uns nach Gijon, wir holen das Auto aus dem Parking und fahren los ins Hinterland in die kantabrischen Berge. Wir wandern und bestaunen die Berge rund um uns, es ist atemberaubend schön, dazu werden wir mit perfektem Spätsommer-Wetter verwöhnt.
Die kantabrischen Berge sind die Fortsetzung im Westen der Pyrenäen. Am Boden viele Herbstzeitlosen, in einem Wäldchen erste Pilze, Vogelbeerbäume behängt mit Früchten und unzählige Geier in der Luft.
Weiter geht’s, ins «Valle de Lago». Ein Schild an der Strasse warnt vor Bären, da sind wir froh, hat es im Hotel Rural Somiedo ein freies Zimmer. Wir sind auf 1250müM.
Nach einer ruhigen Nacht marschieren wir los, schroffe Berge rund um uns. Wir begegnen rechteckigen oder runden Steinhütten, den sogenannten Teito-Hütten, gedeckt mit Besenginster. Es gibt sie schon seit gefühlt ewig; sie sind perfekt in die Landschaft integriert und gebaut aus dem, was die Umgebung bietet (Stein, Holz, Ginster). Sie werden teilweise noch heute genutzt, dienen als Ställe für Vieh, oder als Behausungen für die Wanderhirten (Vaqueiros de alzada) im Sommer, wenn das Vieh auf den Hochweiden grast.
Wir sind wieder unterwegs mit dem Auto, die Birken, beginnen gelb zu werden, wilde Kirschen leuchten rot. Der Herbst ist da.
Gegen Abend kommen wir nach Fabero, einem ehemaligen Bergbauort. Nach der Schliessung der Anthrazit-Kohlen-Minen zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind von den damals 10'000 Bewohnern die Hälfte weggezogen.
Wir wandern am Morgen durch das mit EU-Geldern finanzierte rückgebildete Abbaugelände, finden Versteinerungen, alles Farne. Wir erliegen dem Sammelfieber. Dann gehen wir weiter und staunen ob der Grösse des Geländes. R erschreckt eine Schlange, ein Scheinangriff dann verzieht sie sich rasch.
Über Pässe, hinunter in Täler, es hat Kastanienbäume, Eichen, Eschen, Ebereschen, der Altweibersommer in voller Pracht. Bei einem der vielen «Miradores» schauen wir staunend in die hügelige Landschaft. Die Erhebungen sind schier unendlich, die westliche Erweiterung der Pyrenäen ist riesig!!! Wir sind in der Region Cervantes und haben uns in der «Casa O’Crego» angemeldet. Uxia und ihr Vater Raffa empfangen uns in ihrem Paradies. Raffa kaufte sich in den 90er Jahren eine Ruine und erweckte sie in 10jähriger Arbeit zum Leben, zu einem Kraftort. Uxia bekocht uns in diesem wunderbaren Haus, wir unterhalten uns in Englisch und Spanisch... (https://ocrego.com)
Via Coro, einem noch sehr authentischen Dorf, fahren wir weiter und sind gegen Abend in Lugo, der ältesten Stadt Galiziens. Sie wurde von den Römern gegründet, in der Zeit von Kaiser Augustus. Die etwa 2 km lange, 8 Meter dicke Stadtmauer ist vollständig erhalten und umgibt die Altstadt.

Mit dem Flixbus in Bordeaux

Ebbestrand bei Saint-Nazaire

Les Sables d'Olonne. An diesem Kanal werden die Vendée Globe Helden gefeiert

In Hafen von Les Sables d'Olonne

Nicolas Schmid aus Yverdon bereitet sich auf die Minitransat vor

Strand bei Le Pin Sec

Bayonne

Graffiti in Bayonne

Kulturstadt Bilbao
In A Pobra do Caramiñal ist Markt, wir gehen natürlich schauen: Kleider und Schuhe, Mangold, Peperoni, Tomaten, Orangen, Bacalao, iberischer Schinken, Würste, Schweinsfüsse und -Ohren. Käse; ein Stand mit Kräutern und Gewürzen.
Die «Playa del Vilar» bei Ribeira, ein unberührter, langer, wunderbarer Strand.
Etwas weiter nördlich ist eine Wanderdüne (Düne von Corrubedo) und daneben eine Lagune mit Regenpfeifern und keinen Touristen ausser uns.
Ein paar Kilometer weiter gelangen wir zu den keltischen (Eisenzeit) Ruinen von «Castro de Baroño» bei Porto do Son, sehr eindrücklich! Edith, danke für den Tipp.
Wir fotografieren «Horreos», steinerne Gebäude auf Stelzen, sie wurden früher als Fruchtspeicher benutzt.
Zum Kap Finisterre, schleppen sich viele Camino-Wanderer, wir fahren mit unserem Auto vor. Im Hotel Muxia Mare, mit Sicht gegen Westen und auf das Meer, checken wir ein, viele Pilgerweg-Wandernde auch.
Heute ist «Dolmen-Tag». Wir fahren los, Google Maps führt uns zum prächtigen «Dolmen A Fornela dos Mouros».
Etwas weiter nördlich, sehr bekannt und in einem klimatisierten Raum sind die «Dolmen von Dombate», einmalig, auch in ihrer Grösse. Dann zwei leider arg zerstörter Dolmen, die «Mina de Recesindes» und die «Pedra da Arca».
Am frühen Nachmittag sind wir zurück in A Coruña, bei warmen 25 Grad, Wir räumen die Backskiste aus, prüfen Sturmsegel und Blister und buchen den Winterplatz in der Werft von A Coruña.
Kurzentschlossen machen wir uns mit dem Auto auf zur «Praia das Catedrais» (Playa de Las Catedrales) bei Ribadeo. Ein sehr schönes Naturdenkmal. Im Sommer ist die Besucherzahl auf 4800/Tag beschränkt. Heute hat es zum Glück weniger Besucher.
Weiter nach Viveiro mit seiner schönen Altstadt. Durch die Berge zurück nach A Coruña, Nebelschwaden trüben die Sicht, der Herbst kommt definitiv.
Wir bringen die Merci zur Werft, und schwupps, hängen wir in den Gurten und schon ist die Merci an Land.
Wir wollen in die CH, R hat starke Rückenschmerzen, er erhält im Spital in A Coruña eine Spritze und Cortison-Tabletten. Nun fahren wir los, der Rücken meldet bald wieder. In Bilbao also wieder ins Spital, eine weitere Spritze, andere Schmerzmittel. Dann geht’s ihm recht gut, wir fahren nach Pamplona, parkieren da Auto in der Einstellhalle beim Plaza de Toro, neben der Stiefkampfarena.
Wir machen uns auf in die Altstadt, die Bars sind voll, es wird getrunken, gelacht, geredet, als gäbe es kein Morgen. Wir trinken einen Apero. Ein Restaurant verbirgt sich weiter hinten in der Bar hinter einer geschlossenen Tür. Nach einigem Hin und Her erhalten wir einen Platz und finden uns in einer völlig anderen Welt wieder, es ist ruhig, still. Das Essen ist sehr speziell, es gibt ein 7steps-Menu. Was einem da beim Reisen so alles passiert. Die Nacht gestaltet sich wieder unruhig, R hat Schmerzen.
Am Morgen geht es R nach einer Kortison-Tablette und einem Kaffee besser. Wir fahren nach Toulouse und dann weiter nach Millau.
Durch die schönen Cevennen, Tarn, Chassesac fahren wir kreuz und quer. Die vielen Laubbäume sind noch im Herbstkleid. Wir sehen viele Geier kreisen.
Die letzte Übernachtung in Romans sur Isère birgt noch ein paar Überraschungen.
Das Appartement ist neu auf booking, das Haus noch nicht mit der Hausnummer versehen, kein Schlüssel im Schlüsselkästchen. Der Sohn des Vermieters bringt ihn dann. Wir sind die ersten Gäste in dieser Unterkunft!
Bald sind wir in der Schweiz, es ist Ende Oktober.

Guggenheimmuseum in Bilbao

Guggenheimmuseeum

momnumentale Stahlskulpturen von Richard Serra

Guggenheimmuseum

A Coruña

Achtung Wildwechsel

Teitohütte mit Dach aus Besenginster

Casa O'Crego

Uxia

Laguna de Corrubeda

wilder Atlantik

Castro de Baroño