Zusammen mit Regula und Thomas von der Okoume, fahren wir nach Port la Forêt. Hier liegen einige der Imocas, die an der Vendée Globe teilgenommen haben.
Jean le Cam fährt mit seiner Imoca raus, an Bord seine Familie, ein paar Stunden später fährt er wieder rein. Er ist einer der Solosailor, die die Vendée Globe erfolgreich beendet haben.
U fährt zu ihrer Mutter in die CH, welche Ende Juni ein künstliches Hüftgelenk erhält und anschliessend etwas Betreuung braucht.
Roger ist ab sofort Solosailor, Regula und Thomas bleiben an seiner Seite.
Mitte Juli kommt Ursula zurück, Roger und die Merci liegen in Camaret-sur-Mer. Wir fahren in den Fluss Aulne. Das Fahrwasser ist gut bezeichnet und es ist ratsam, innerhalb der Betonnung zu segeln. Wir können an einer Boje bei Térénez festmachen.
Es ist sehr ruhig, Wälder rings um uns, herrliches Sommerwetter! Nachts sehen wir die Milchstrasse, so wenig Lichtverschmutzung hat es hier.
Wir lassen uns im Dinghi vom Gezeitenstrom flussaufwärts schieben, nach Tregarvan. Ein Strandbeizli, ein paar Häuser und Bauernbetriebe, eine Steinkirche umrahmt von alten Gräbern, die Turmuhr schlägt die Stunden, friedlicher geht nicht mehr.
Bei leichtem Nieselregen treiben wir friedlich zur Mündung, wo uns unangenehmer Gegenwind mit 13 Knoten empfängt. In der weiten Bucht von L’Auberlac’h fällt der Anker, der Gezeitenunterschied beträgt 6 Meter, enorm.
Anker auf um 11 Uhr, der Strom schiebt uns, die Dünung ist erheblich, wir sehen Delfine, sie springen hoch, kommen nur kurz vorbei, schwimmen ums Boot und schon sind sie wieder weg. Vor «Aber Benoît» drehen wir zwei Stunden lang ein paar Runden, bis wir 1 Stunde vor Hochwasser problemlos hineinfahren, eine freie Boje finden und uns daran festmachen.
Am Mittag legen wir bei angenehmem Wetter ab, um 1910 kommen wir Hafen von Roscoff an.
Mit dem «Navette» fahren wir auf die «île de Batz», besuchen den „Jardin von Georges Delaselle“, und wandern quer über die Insel, da reiht sich ein Feld an das andere, die Kartoffeln sind grösstenteils bereits geerntet, Kohlrabi, Fenchel wachsen noch. Eine vielseitige Insel.
Wir legen ab, setzen die Segel, der Wind ist schwach mit knapp 10 Knoten, dazu eine unruhige See mit vielen kleinen Wellen, unangenehm. Wir können nach einiger Zeit halsen, auf dem anderen Bug segelt es sich ruhiger. Die Einfahrt bei (fast) Hochwasser in den Gezeitenhafen Trébeurden über den Süll ist eng und gut betonnt. Die Einfahrt fällt je nach Gezeitenunterschied trocken!
Die Rosa-Granit-Küste beginnt hier und zieht sich gegen Nordosten hin. Markttag in Trébeurden, die Bretonen lieben ihre Märkte, wir auch.
Gegen 14 Uhr, ist wieder genügend Wasser über dem Süll und wir segeln los, die Dünung ist erheblich, die Strömung mit uns. Bei Trégastel fahren wir in die grosse Bucht. Die Sonne versinkt hinter einem vorgelagerten Felsband, der Mond geht über Trégastel auf. Der Bojenplatz ist unruhig, der Schwell....

Die Okoume bei den Glénans Inseln

Delfine begleiten uns

Die Okoume bei Raz du Sein

Köstlichkeiten vom Meer

Solo unterwegs um Raz de Sein

Nähe Morgat

Camaret-sur-mer

Schiffsfriedhof bei Camaret

Schiffsfriedhof bei Camaret

ausrangierte Kriegsschiffe
Wir segeln an der Südseite der «Sept-îles « vorbei, und suchen an der Ostseite der île Tomé, einen geeigneten Ankerplatz. Es hat viele Fischerbojen, ein kleines Boot zieht eine hoch, es hängen Körbe dran mit Krabben und Seespinnen drin. Wir ankern bei (fast) HW auf 11 Metern und befestigen eine Ankerboje am Anker. Der Anker scheppert und mit einem Ruck sind wir fest, hoffentlich nicht um einen Felsen gewickelt??!! Ich bin nicht so glücklich über diesen Ankerplatz, R wohl auch nicht, er geht den ganzen Abend immer wieder an Deck....
Nach einer mässig erholsamen Nacht sitzen wir nun im Cockpit bei einem Kaffee bei Sonne und keinem Wind.
Der Anker sitzt tatsächlich etwas fest; wir ziehen gleichzeitig an Kette und Boje, so kommt der Anker frei, Glück gehabt! Wir setzen die Segel und fahren gemütlich zum Port Blanc, nehmen uns eine der freien Bojen in der hübschen, weiten Bucht. Eine Segelschule ist hier, Kinder und Jugendliche segeln an uns vorbei, wir schauen dem Treiben auf dem Wasser zu. Ein einmalig schöner Abend mit Farben von Orange bis violett verwöhnt uns.
Wir motoren zum Fluss Jaudy. Nun, bei fast Niedrigwasser, ist die an sich breite Einfahrt gespickt mit Felsen, das Fahrwasser jedoch gut betonnt. Flussaufwärts wird es immer enger, viele Muschelfarmen sehen wir beidseits am Ufer. Stellenweise haben wir nur 2.6 Meter Wasser unter dem Kiel, wir sind konzentriert, melden uns per Funk in Tréguier an, wir werden zum Ponton eskortiert, legen an, es ist Niedrigwasser, keine Stömung, perfekt!
Die Vollmondnacht ist kühl, am Morgen scheint die Sonne vom wolkenlos blauen Himmel und wärmt, Frühstück im Cockpit. Eine Segeljacht hat die Seezeichen nicht richtig interpretiert und sitzt nun 4 Stunden lang schräg auf einer Sandbank.
Tréguier ist ein mittelalterliches Bijou! Rieghäuser aus dem 15. u. 16.Jh sind erhalten, die Kirche mit romanischen bis neugotischen Teilen ist riesig. Die engen Gassen sind autofrei, hohe mittelalterliche Mauern, schick hergerichtete alte Bürgerhäuser aus Granit (17.u.18.Jh). Früher gab es hier eine Eisenbahn, der Ort war ein wichtiger Waren-Umschlagplatz
Bei HW legen wir in Tréguier ab, es ist warm, diesig, neblig, mystisch.
Auf dem Meer setzen wir das Gross und der Motor unterstützt. Um 1630 sind wir in Roscoff. 6 1/2 Stunden für 40 nm, wir sind zufrieden.

Pont du Térénez

eindrückliche Konstruktion


10 m Tidenhub bei Tréguier

Die grüne Boje muss richtig umfahren werden

sonst wird es ungemütlich

verwunschenes Schloss am Jaudy

Kirche in Camaret, hier kann man die Seelen der Ertrunkenen spüren

Morgennebel bei Aber Wrac'h
Heute kommen uns unterwegs kurz Delfine besuchen; Wind gegen Strömung bedeutet unangenehme Dünung, wir kommen dennoch zügig nach Aber Wrac’h.
Die Sonne weckt uns, wir fahren hinaus aufs Meer, und werden von Nebel eingehüllt, starten den Radar. Um 10 Uhr rollen wir die Segel aus und bald vertreibt die Sonne den Nebel. Beim Leuchtturm «Le Four» (Chenal du Four) schiebt der Strom uns mit knapp 2 Knoten. Beim «Grande Vinotère» haben wir 10.5 Knoten Fahrt, kaum Welle, herrlich!
Wir besuchen nochmals Camaret s Mer, legen am nächsten Tag ab, ohne Wind, dafür neblig. Die Sonne kommt bald und bringt Wind, wir segeln bei glatter See der Ostseite der Halbinsel Crozon entlang nach Morgat. Wie überall in der Bretagne wird auch hier der Sport grossgeschrieben, schon die Kleinsten werden in gelbem Ölzeug auf kleine Segelschiffe verteilt, so süss.
Grau in Grau ist es heute, es geht unter Segel gemütlich in Richtung Raz de Sein,
Vorbei am Leuchtturm Tévennec, nun fahren wir gegen Süden. Bald haben wir bei 11 Knoten Wind 5.8 Knoten Fahrt, im Raz de Sein bei 9 Knoten Wind 7 Knoten Fahrt. Um 17 Uhr sind wir vorbei am Leuchtturm la Vieille, fahren in Richtung Osten; und es rauscht und der Wind frischt auf bis zu 19 Knoten, wir reffen und haben über 8 Knoten Fahrt. In der grossen Bucht von Sainte Evette bei Audierne fällt der Anker. Eine spannende Rauschefahrt heute!
Anker auf, Delfine schwimmen neben dem Schiff vorbei. Es gibt einen schönen, warmen, ruhigen Segeltag, nach Concarneau. Regula und Thomas von der Oukume laden uns zum Znacht ein. Wir bringen das Dessert, Kouign Aman», wir nennen es «Kofi Annan», ein süsses buttriges Blätterteiggebäck.
Wir verabschieden uns ein weiteres Mal von der Okoume-Crew und gehen in der «Baie de la Forêt» ankern. Ein bombastisches Abendrot überzieht den Himmel im Westen.
Morgens um 7 weckt uns der Ankeralarm. Wie aus dem Nichts bläst es mit 14 Knoten, es ist bedeckt, feucht, regnerisch. Anker auf und gleich Segel setzen. Mit 12 Knoten Wind, einer langgezogenen Dünung und Strom mit uns kommen wir mit knapp-5 Knoten vorwärts und legen nach 6 Stunden Fahrt und 30 Meilen vor Lorient im Port Louis an, ein schöner Tag.
Der Wetterdienst warnt vor unüblich viel Schwell. Wir legen ab, die Ausfahrt gestaltet sich ruppig, Wind (20 Knoten) von vorne, Strömung von hinten, gemütlich ist es nicht.
Mal draussen in etwas tieferem Wasser setzen wir die Segel gerefft. Der Wind pendelt sich auf 17 Knoten ein, es ist trüb, das Wasser bleigrau und die Wellen wirr. Der Wind frischt auf über 20 Knoten auf, wir reffen die Genua und schon regnet es. Bald ist der Spuk vorbei. Die Strecke entlang der Halbinsel bis Quiberon zieht sich, aber irgendwann haben wir es geschafft. Nun sind wir in der Abdeckung von Belle-île, das Wasser ist viel ruhiger, der Wind sehr angenehm, wir entspannen uns nach der anstrengenden ersten Hälfte des heutigen Törns. Balearensturmtaucher in grossen Gruppen lassen sich auf dem Wasser schaukeln, das Sonne zeigt sich nun, wir kommen um 1930 in La Turballe an und werden freundlich an unseren Platz am Ponton eskortiert. Ab in die «270-Bar» und anschliessend in die Pizzeria nebenan. In der Nacht regnet es kräftig, pfeift im Rigg, rüttelt, zerrt an den Leinen. Auswirkungen vom ehemaligen Tropensturm Erin, er ist nun für ein gigantisches Tief (von Island bis zu den Azoren) verantwortlich. Die rauhen Bedingungen heute verdanken wir ihm.
Um 9 Uhr legen wir ab, um 1130, fast am Südende eines riesigen Windparks, ziehen dunkle Wolken auf. Regenkleider anziehen, sofort! Es frischt auf von 15 auf 25 Knoten im Nullkomma-Nichts. Genua reffen, bald können wir wieder ausreffen. Die enorme Dünung ist sehr unangenehm zum Amwind-Segeln, wir brauchen den Motor zur Unterstützung, Am Nachmittag dreht der Wind zu unseren Gunsten, nun kommen wir gut voran, geht doch!
Nach fast 10 Stunden Fahrt sind wir um 1830 bei der engen, imposanten, gut geschützten Einfahrt vor Port Joinville, auf der Île d’Yeu. Die Insel liegt nordwestlich von Les Sables d’Olonne. Es war ein anstrengender, erlebnisreicher, spannender Tag.
Wir sind in der Biskaya, es ist Anfang September, die Bedingungen werden rauher.
Das Meer ist wild, bricht sich an der Insel vorgelagerten Riffs, dann wieder an den Klippen am Ufer, wir können uns nicht sattsehen. Zusammen mit den Crews der «Aya» (Linda, Ben und Hund Frodo) und der «Northern Gannet» (Susanne und Egon) gehen wir ins urige Restaurant «Le Navigateur», ein fröhlicher Abend.
4. September, der Plan steht, wir fahren heute über die Biskaya, nach Spanien. Susanne bringt uns für die Reise ein Stück Bananen-Schoko-Kuchen, herzlichen Dank!